Florian Ingenillem

"Ich bin Jugendmentor, weil ich Möglichkeiten aufzeigen kann, dass auch wir mit Psoriasis Spaß haben und das Leben genießen  können."

Wann sind Sie in den DPB eingetreten?

Ich bin Mitglied seit dem 1. August 2013. Seit 2014 bin ich zusätzlich ehrenamtlich als Jugendmentor für das DPB-Jugendcamp tätig.

Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Es geht mir sehr gut. Ich bin seit zwei Jahren beschwerdefrei.

Wie war Ihr Weg mit Ihrer Erkrankung?

Der war nicht so einfach. Es fing am Kopf an. Ich wusste nicht, was es war. Meine Mutter vermutete, dass es Milchschorf sein könnte. Den hatte ich als Baby sehr stark gehabt. Der Hautarzt sagte uns dann, dass es eine Schuppenflechte sei. Das war alles. Er erklärte uns nicht, was das bedeutete und wie es weitergehen sollte. Er hat mir Cremes und Tinkturen aufgeschrieben und das war alles. Aber die Schuppenflechte ging nicht weg. Im Gegenteil – sie wurde stärker. Zunächst bekam ich sie zusätzlich am ganzen Rücken, später am ganzen Körper. Das hatte sicherlich auch mit erhöhtem Stress in der Schule zu tun. Da gab es Prüfungen und die Mitschüler waren auch nicht so nett. Sie sagten: "Du schuppst ja. Mach das weg." Das machte mich sehr unsicher. Ich gab meine Sportarten auf – Leistungsschwimmen und Handball – und zog mich mehr und mehr zurück. Ich habe versucht, alles zu verstecken. Ich trug immer lange Kleidung und ließ mir sogar die Haare lang wachsen. Das war sehr schlimm. Ich traute mich nicht mehr, Kontakte zu knüpfen – schon gar nicht zu flirten. Die Dermatologen haben mir nicht wirklich geholfen. Ich erfuhr von ihnen, dass Schuppenflechte eine Erbkrankheit sei und ich damit leben müsse. Das sei nicht so schlimm. Aber für einen pubertierenden jungen Mann, der sein Leben aufbauen will, ist das sehr schlimm. 2010 begann ich eine Ausbildung zum Erzieher und habe in dem Zusammenhang auch Praktika in Kindertagesstätten gemacht. Wie Kindern nun mal so sind, fragen die einfach, wenn die etwas nicht verstehen. Ich habe ihnen mein Aussehen erklärt und für die war das in Ordnung. Das hat dazu geführt, dass ich insgesamt etwas offener mit meiner Erkrankung umgehen konnte. Ich habe dann angefangen, mich mit der Psoriasis zu beschäftigen und im Internet recherchiert. Gleich der erste Eintrag war die Homepage des Deutschen Psoriasis Bundes. Und dort stand zufällig auf der 1. Seite eine Information zum DPB-Jugendcamp. In mir hat es gearbeitet, ob ich dorthin gehen sollte. Ich habe bis zum Schluss niemandem von meiner Idee erzählt. Erst ganz kurz vor Beginn habe ich dann gesagt: Ich fahre nach Wuppertal. Das war die beste Entscheidung, die ich bis dahin getroffen hatte. Dort waren viele junge Leute mit Schuppenflechte und ich konnte erfahren, dass ich nicht alleine bin. Das hatte ich vorher nicht gewusst weil man ja nie einen Jugendlichen mit Psoriasis sieht. Die verstecken sich ja alle. Die fachlichen Informationen, die wir dort über unsere Erkrankung erhielten, waren sehr hilfreich. Und wir hatten auch noch Spaß. Ich habe gelernt, dass ich Spaß haben kann trotz Schuppenflechte. In dieser Zeit hat etwas klick gemacht bei mir. Ich war auf dem Camp fast komplett vermummt angekommen. Nach Hause fuhr ich schon ohne Halstuch. Ich habe mir dann einen neuen Hautarzt gesucht und ihm erklärt, was ich möchte. Ich war ja jetzt informiert. Dieser Hautarzt ist prima. Mit ihm ist es komplett anders als mit den vorherigen vier, die ich bis dahin hatte. Mit ihm kann ich reden. Er fragt auch nach, wie es mir allgemein geht, oder ob ich Stress habe. Er nimmt sich Zeit. Er verschrieb mir Fumaderm. Damit war ich beschwerdefrei. Ich nahm es eineinhalb Jahre lang, bis ich die Tabletten nicht mehr vertrug. Seitdem nehme ich das Biologikum Humira. Ich habe keine Nebenwirkungen, außer, dass ich öfter mal erkältet bin. Aber das nehme ich gerne in Kauf. Nach dem Jugendcamp habe ich auch ein Jahr lang einen Psychologen zu Rate gezogen. Mit ihm konnte ich vieles aufarbeiten, was die Krankheit so mit sich gebracht hatte. Klar kann ich auch mit meinen Eltern und Freunden reden. Aber das ist doch noch etwas anderes. Ich bin seit 2011 auf jedem Jugendcamp des DPB gewesen. Seit 2014 bin ich dort auch Jugendmentor. Ich kann allen Jugendlichen mit Schuppenflechte nur empfehlen, dort teilzunehmen. Mir hat das jedenfalls sehr geholfen.

Interview entnommen aus PSO Magazin 2/2017