Renate Eiler

Wann sind Sie in den DPB eingetreten?

Ich bin im Mai 2003 eingetreten. Meine Hausärztin hat mir dazu geraten. Sie hatte gemeint, ich müsste etwas unternehmen. Seit Juni 2004 bin ich auch Kontaktperson des DPB.

Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Die Haut habe ich momentan im Griff. Mit den Gelenken ist es ein Auf und Ab. Zurzeit stelle ich auf ein neues Biologikum um, weil das alte nicht mehr gewirkt hat.

Wie war Ihr Weg mit Ihrer Erkrankung?

Es war ein langer, beschwerlicher Weg und, er ist es noch. Es ging als Jugendliche bei mir los. Ich hatte dicke Schuppen auf den Knien, die auch aufgeplatzt waren. Die Ärzte haben gemeint, ich hätte mir die Knie aufgeschlagen. Eine Behandlung gab esnicht. Ich habe nur ab und zu mit Pflegemitteln selbst gecremt. Ich kam dann in die Ausbildung. Die Schuppenflechte verschlimmerte sich. Ich hatte sie am Knie, an den Ellenbogen, auf der Kopfhaut und im Intimbereich. Der Hausarzt hat die Hauterscheinungen auf den Stress in meiner Ausbildung geschoben. Dass es eine Psoriasis war, hat er nicht erkannt. Ich habe weiterhin versucht, es zu ignorieren, und wenn es ganz schlimm wurde, habe ich die Stellen wieder mit Pflegecreme
eingecremt. Ich habe zwischenzeitlich auch versucht, auf meine Ernährung zu achten. Im Beruf wurde es noch schlimmer mit der Schuppenflechte. Die Ärzte haben immer noch nicht erkannt, was ich wirklich habe. Sie hielten die Hauterscheinungen für eine Reaktion auf die Ausdünstungen von Chemikalien am Arbeitsplatz. Ich war in einem Labor tätig. Ich bekam Tinkturen mit Teer. Sie brannten auf der Haut und halfen nicht. Auch Salben mit Glukokortikoid habe ich "geschmiert". Aber davon bekam ich mehr Stellen, als ich vorher hatte. Ich habe mich verloren gefühlt und mich immer weiter von meinen Freunden zurückgezogen. Dann habe ich begonnen, auf meine Weise mit der Situation umzugehen. Ich habe angefangen, Sport zu treiben. Ich habe auch eine Familie gegründet. Meine beiden Schwangerschaften
hatten jeweils den tollen Effekt, dass ich in dieser Zeit fast erscheinungsfrei war. Allerdings wurde es
in der Stillzeit jeweils wieder schlimmer. Während der Stillzeit mit der zweiten Tochter bekam ich massive
Probleme mit den Gelenken. Ich hatte schon immer Beschwerden mit den Gelenken gehabt. In jungen Jahren bin ich viel gestürzt. Eine eindeutige Diagnose bekam ich aber erst 2001. Damals waren meine Gelenkbeschwerden so stark, dass ich mich nicht mehr bücken konnte. Ich bekam eine Kniespiegelung und meine Knochenhaut wurde untersucht. In dem Moment überforderte mich die Diagnose. Ich konnte sie nicht akzeptieren. Ich habe es mit Homöopathie und Akupunktur versucht, bevor ich MTX und Leflunomid nahm. Ich habe die Medikamente nicht immer genommen. Damit hatte ich die Beschwerden tatsächlich eine Zeit lang so gut wie im Griff. Aber dann bekam ich Hammerzehendurch die Schübe. Deshalb willigte ich 2006 ein, mich mit einem Biologikum behandeln zu lassen. Das wurde dann fünf Jahre lang eine kleine Odyssee, weil ich mit starken Nebenwirkungen reagierte. Ich bekameinen viralen Infekt, der so schlimm war, dass ich zweimal hintereinander in eine Akutklinik eingeliefert werden musste. Von einer Minute zur anderen tat mir alles weh. Wegen eines anderen Biologikums habe ich eine starke Neurodermitis entwickelt. 2011 bin ichdann bei einem Biologikum gelandet, das sehr gut anschlug und bei mir keine Nebenwirkungen verursachte. Die letzten fünf Jahre mit diesem Biologikum waren sehr schön. Doch jetzt hat seine Wirkung nachgelassen. Fünf Zehen wurden operiert. Sie passten wegen der Verformungen in keinen Schuh mehr. Ich hatte bereits zwei Mal Operationen an den Zehen, aber die haben nicht so gut geklappt. Die letzte Operation ist sehr gut verlaufen. Mit dem Biologikum musste ich lange vor und nach der Operation pausieren. Ich verstehe die Menschen, die einer Behandlung mit Biologika skeptisch gegenüberstehen. Natürlich weiß man noch nicht, was eine Langzeitbehandlung mit diesen relativ neuen Wirkstoffen im Körper anrichtet. Mit dem sportlichen Laufen habe ich in all der Zeit nie aufgehört. Bei mir in der Nähe ist ein Wald. Wenn ichdort eine gute Stunde unterwegs war, dann habe ich vieles verdaut, was mir auf der Seele lag. Ich mache jetzt auch Yoga. Das sind seit langem meine Blitzableiter. Ich habe immer das meiste schon seit der Jugend mit mir selber ausgemacht, denn ich bin von vielen Ärzten enttäuscht worden. Ich habe mich sehr oft von ganz unten nach ganz oben wieder stabilisiert. Der Sport gibt mir die Kraft, jeden Tag weiterzumachen.

Interview entnommen aus PSO Magazin 4/2017