Rudi Mohr

Wann sind Sie in den DPB eingetreten?

Ich bin 1977 eingetreten. Bestimmt bin ich einer von denen, die am längsten im DPB Mitglied sind.

Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Im Moment nicht ganz so gut, weil ich durch eine Zecke mit Borreliose infiziert bin. Da werde ich gerade behandelt. Mit meiner Schuppenflechte habe ich keine Probleme.

Wie war Ihr Weg mit Ihrer Erkrankung?

Als ich 18 Jahre alt war, begann es mit Stellen am Schienbein. Ich bin zum Hautarzt gegangen. Er hat erklärt, was das ist und wie sich das wahrscheinlich in Zukunft entwickeln wird. Er zeigte mir ein Bild von einer Frau, die am ganzen Körper Schuppenflechte hatte. Da war ich sehr geschockt. Ich bekam eine teerhaltige Salbe. Die hat nicht richtig geholfen. Ich wollte die Schuppenflechte aber unbedingt wegbekommen, da ich sehr gern schwimme. Das tat ich aber schon länger nicht mehr, weil sich die Hauterscheinungen immer weiter ausbreiteten. Ich bekam Herde im Gesicht, am Kopf, an den Ellenbogen – es ging immer weiter. Ich hatte gehört, dass man die Hautstellen durch Bestrahlung weg bekommt. Wir hatten zufällig ein Bestrahlungsgerät zum Bräunen im Haus. Man sollte sich in einem bestimmten Abstand davor setzen. Ich halbierte den Abstand, um eine größere Wirkung zu erzielen. Und ich habe mich dadurch richtig schwer verbrannt. Die Schuppenflechte war zwar weg, aber die kam auch wieder. Ich bin dann zu einer anderen Hautärztin gegangen. Sie hat mir eine Dithranol-haltige Salbe verschrieben. Die Salbe hat gut geholfen. Zusätzlich habe ich Bestrahlungen bekommen – dieses Mal natürlich medizinische. Trotzdem war ich nicht zufrieden. Die Salbe verursacht bräunlich-gelbliche Flecken auf der Kleidung. Das hat mich sehr gestört. Ich habe dann häufig die Hautärzte gewechselt.
Ich hoffte dadurch, dass ich doch noch etwas finde, mit dem ich zufrieden sein kann. Inzwischen war die Schuppenflechte sehr schlimm geworden. Ich hatte Herde zusätzlich an beiden Beinen und am gesamten Rücken bekommen. Ich war früh in den Deutschen Psoriasis Bund eingetreten. Ich wollte über meine Krankheit informiert sein. Deshalb wusste ich, dass es Auslöser gibt, die eine Psoriasis auch verschlimmern können. Allmählich hatte ich bei mir erkannt, welche meine Auslöser waren. Bei Stress und nach Alkohol wurde die Schuppenflechte bei mir stärker. Auch das Gewicht spielte bei mir eine Rolle. Also versuchte ich, diese Auslöser abzustellen.

Damit ist die Schuppenflechte besser geworden. Inzwischen hatte ich von einem Hautarzt eine Fettsalbe mit einem Kortikoid verschrieben bekommen. Damit habe ich meine Stellen behandelt. Aber das war zunächst auch noch keine richtige Verbesserung. Doch dann besuchte ich eine Vortragsveranstaltung des DPB über Schuppenflechte. Dort wurde über Kortikoide gesprochen und ich habe etwas erfahren, was ich nicht wusste. Es ist nämlich besonders wichtig, dass man Salben kräftig einmassiert. Denn erst in einer bestimmten Tiefe in der Haut kann sie ihre Wirkung richtig entfalten. Mich wundert es bis heute noch, warum darüber so wenig gesprochen wird. Ich praktiziere das seither und massiere meine Salbe mit starkem Druck rund 20 Sekunden lang in die Haut ein. Das ist der eine Teil meiner inzwischen erfolgreichen Behandlungsstrategie. Dazu kommt noch ein zweiter Teil. Ich habe nämlich aufgehört, meine gesamte Schuppenflechte wegzubringen. Das versuche ich gar nicht mehr. Ich lasse sie an einer bestimmten Stelle in Ruhe, wo sie mich am wenigsten stört – das ist dort, wo sie durch Kleidung bedeckt ist. Ich behandle Gesicht, Kopf und Ellenbogen. Meine Überzeugung ist, dass ich der Schuppenflechte die Möglichkeit geben muss, da zu sein. Sie zeigt mir, dass etwas mit mir ist.  Sie bringt mich dazu, bewusster zu schauen, wenn ich etwas falsch mache – wie etwa Stress oder Alkohol. Wenn ich überall gegen meine Krankheit angehe, wird sie nur schlimmer. So aber kommen "wir" seit 15 Jahren gut miteinander aus. Hautärzte haben zwar immer wieder Vorschläge für andere Therapien gemacht. Ich sollte beispielsweise eine Vitamin-D-haltige Salbe bekommen. Aber ich habe das abgelehnt, denn ich möchte meine Salbe behalten. Ich bin zufrieden, so, wie es ist. Dazu kommt, dass ich mich durch das PSO Magazin des DPB immer gut informiert fühle. Ich lese sehr gern. Und ich möchte das, was ich gelesen habe, auch glauben. Und so bin ich immer auf dem neuesten Stand. Und wenn irgendwo in einer Illustrierten wieder mal ein Wundermittel gegen Schuppenflechte angepriesen
wird, bin ich sicher, dass ich es schon längst kennen würde, wenn es wirklich so gut wäre. Im vorigen Jahr bin ich dann in Bremen auch noch zur DPB-Regionalgruppe gegangen. Denn obwohl ich meinen Weg gefunden habe, finde ich es immer noch interessant zu hören, was die anderen sagen. Wenn in einer Gruppe jeder das gleiche hat, geht es einem gleich besser! Und das Ganze ist nicht mehr so
schlimm. Ich bin auch im Fahrradverein. Damit kann man das vergleichen. Wir sind alle unterschiedlich. Aber wenn 20 Leute Fahrrad fahren und es fängt zu regnen an, werden alle 20 pitschnass. Dann ist die Nässe auch nur halb so schlimm, als wenn man als einziger im Regen Fahrrad fährt.

Interview entnommen aus PSO 4-2018