Veronika Zajontz

Wann sind Sie in den DPB eingetreten?

Das war 1979. Ich hatte einen Flyer in meiner Hautarztpraxis gefunden. Vorher dachte ich immer, es gibt nichts für Leute mit Schuppenflechte. Das hat der Arzt auch erzählt.

Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Mit meiner Haut habe ich seit etwa drei bis vier Jahren kein Problem mehr. Seitdem habe ich auch keine stressige Arbeit mehr. Da sehe ich einen Zusammenhang, denn Stress verstärkt die Schuppenflechte. Ich war in der Gastronomie tätig. Da hat man wirklich viel Stress. Allerdings habe ich zu tun mit Schmerzen in den Fingern und Zehen. Es ist aber keine eindeutige Psoriasis-Arthritis. Der Orthopäde sagt, dass da eher Arthrose und Arthritis zusammenkommen. Bei Bedarf nehme ich ein Arzneimittel gegen die Schmerzen.

Wie war Ihr Weg mit Ihrer Erkrankung?

Meine Kindheit und Jugend habe ich in Bezug auf die Schuppenflechte als schlimm in Erinnerung. Wir haben die rauhen Ellenbogen zunächst nach einem alten Hausrezept behandelt. Ausgepresste Zitronenhälften wurden über Nacht auf die Ellenbogen gelegt und eingewickelt. Anschließend wurde dann eingecremt. Das half aber nichts. Es wurde schlimmer. Da verschrieb der Hausarzt Salben und Folienverbände auch für die Beine. Die ganze Familie war ratlos. Mein Vater brachte mich dann zu einem Hautarzt in die nächstgelegene größere Stadt. Dort erzählte mir die Sprechstundenhilfe, dass einer der Patienten die Schuppenflechte schon seit 17 Jahren hätte. Das war für mich die Hölle, diese Vorstellung. Wir waren aber zumindest schon mal darüber informiert, dass die Schuppenflechte eine vererbbare Krankheit ist. So wurde uns auch klar, dass mein Vater auch Schuppenflechte hatte. Er hat auf seine Hautstellen immer eine braune Tinktur geschmiert. Dann waren die Stellen wieder für einige Zeit weg. Meine Mutter brauchte nun auch nicht mehr zu überlegen, ob sie etwas falsch gemacht haben könnte mit der Ernährung. Sie hatte sich Sorgen gemacht, dass es das Schmalzbrot für die Schule gewesen sein könnte, zu viel Schweinefett oder die Ziegenmilch. Ich lernte dann, dass die Schuppenflechte sich bei mir auf die Jahreszeiten "spezialisierte". Im Sommer wurde es besser, im Winter stärker. Ich habe alles gut versteckt - lange Spitzenärmel in der Tanzstunde. Wie oft habe ich mir gewünscht, mit bloßen Armen herumlaufen zu können. Am meisten belastet haben mich die Hände. Alles andere konnte ich ja verbergen. Das waren strapaziöse Behandlungen damals. Wir haben Cignolin mit der Zahnbürste aufgetragen. Eine Wochen später waren die Schuppen wieder da. Fast zehn Jahre lang wurde ich mit Kortikoiden behandelt. Das wurde ein bis zwei Millimeter dick aufgetragen und wirkte dann unter Folie ein. Das war keine Behandlung, das war eine Misshandlung! Mein Mann überredete mich dann zu meiner ersten Kur in Bad Bentheim. Für mich war das beim ersten Mal ein ganz komisches Gefühl. Ich wollte nicht von Zuhause weggehen. Meine Tochter war damals erst zehn Jahre alt. Aber auch der Arzt sagte: Etwas Besseres als eine "Kur" gibt es gar nicht. Und tatsächlich war es dann wie Weihnachten, Pfingsten und Ostern auf einmal. Ich wurde dort wirklich ruhiger und zufriedener, weil ich jetzt wusste, ich bin nicht allein. 1983 kam dann ein Anruf aus Hamburg. In Regensburg wird eine Gruppe gegründet. Ich war von Anfang an dabei. Und ich muss sagen, die Gruppe hat mir mehr gebracht als mancher Besuch beim Hautarzt. Das sage ich auch jedem, der bei mir anruft. Man hört bei den Treffen, was die anderen so machen. Später bin ich dann sogar Regionalgruppenleiterin geworden. Ich habe mich nicht um dieses Amt gedrängt, aber ich wollte auf jeden Fall, dass die Gruppe weiter existiert. Das war mir sehr wichtig. In den mehr als 30 Jahren, die es die Gruppe jetzt gibt, war ich höchstens fünf Mal bei den Treffen nicht dabei. Die Gruppe und die Rehabilitationen in Bad Bentheim: Das ist meine Art geworden, mit meiner Schuppenflechte fertig zu werden. Zuerst war ich alle zwei Jahre zur Rehabilitation, dann alle drei Jahre, später alle vier Jahre. Ansonsten pflege ich meine Haut mit einer Körperlotion für leicht trockene bis trockene Haut, die vier Prozent Urea enthält. Mehr mache ich nicht.