Ursula Schmitt

"Ich bin Mitglied, weil die Psoriasis mich in Großteilen meines bisherigen Lebens begleitet hat. Aus diesem Grunde bin ich an einem steten Erfahrungsaustausch mit anderen Mitgliedern interessiert. Die Gruppe gibt mir die Gelegenheit, neue Wege zu erfahren und meine Wege weiterzugeben."

Psoriasis und Psoriasis-Arthritis verlaufen sehr individuell. Schwere und Entwicklung der Hauterscheinungen variieren stark. Gelenkbeteiligungen kommen bei rund 30 Prozent der Menschen mit Psoriasis hinzu. Viele weitere Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Herzkreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Augenentzündungen oder Depressionen erfordern häufig zusätzliche Aufmerksamkeit.

Der Deutsche Psoriasis Bund e.V. (DPB) möchte durch vielfältige Informationen seine Mitglieder zu Expertinnen und Experten ihrer eigenen Erkrankung machen, damit sie ihren eigenen Weg mit der Psoriasis finden und gehen können. Wir sprachen mit Ursula Schmitt. Die 56-jährige kaufmännische Angestellte ist verheiratet und lebt in Losheim am See im Saarland. Ihre Psoriasis begann mit 15 Jahren.

Wann sind Sie in den DPB eingetreten?

Das war 2006. Ich bin im Internet auf den Deutschen Psoriasis Bund gestoßen und habe mich dann der Regionalgruppe Saarland von Helene Ball angeschlossen.

Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Es geht alles ganz gut bei mir, außer auf der Kopfhaut. Dort hält sich die Psoriasis recht hartnäckig.

Wie war Ihr Weg mit der Erkrankung?

Ich war 15 Jahre alt, da begann die Psoriasis auf der Kopfhaut. Sonst hatte ich nichts. Ich bekam von den Hautärzten gemixte Salben. Die wirkten mal besser und mal schlechter. Ich hatte längere Haare, deshalb fiel das nicht so auf und ich kam damit zurecht. Mit etwa 30 Jahren bekam ich dann auch erste Stellen auf dem Rücken. Das war zuerst nicht schlimm, nur so drei bis vier kleine Plaques. Doch das wurde mit der Zeit immer schlimmer. Es kam schleichend. Zuerst die Ellenbogen, dann unter der Brust, am Bauch und am Gesäß. Ich ging zu einem Dermatologen und der verschrieb mir Kortisonsalbe. Die verwendete ich immer dann, wenn es schlimmer wurde. Das half dann auch ganz gut. Zum Dermatologen ging ich dann auch gar nicht wieder. Die Tuben mit dem Kortison bekam ich weiterhin immer von meinem Hausarzt verschrieben.
Als Basispflege verwendete ich täglich eine Körperlotion mit Meersalz. So habe ich mich mehr als 20 Jahre über Wasser gehalten. Die Psoriasis ging nie ganz weg, aber mit Kortison konnte ich sie so einigermaßen
eindämmen. Wer keine ganz schlimme Form der Psoriasis hat, die mit Tabletten oder Spritzen behandelt werden muss, der muss eben cremen. Vor zweieinhalb Jahren empfahl mir eine Freundin dann aber doch, dass ich mal eine Reha beantragen solle. Die Aussicht darauf, sich einen Sommer einmal nicht verstecken zu müssen, war verlockend. Ich habe zwar keine großen Probleme damit, mich in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Ich verbringe auch oft meinen Urlaub am Meer. Dann behandle ich Ellenbogen und Beine vorher mit Kortison, so dass kaum etwas zu sehen ist und ansonsten sage ich mir immer: Da kennt mich ja niemand. – Aber einmal ganz unbeschwert durch den Sommer zu gehen, wäre schon prima. Außerdem will man auch einmal nicht immer cremen müssen. Ich bekam die Reha bewilligt und ging in die Tomesa-Klinik nach Bad Balzschlirf. Das war wirklich sehr schön da: Balneophototherapie und viel Zeit, sich mit sich selbst und der Erkrankung auseinanderzusetzten – ohne Stress und abseits vom Alltag. Das hat mir sehr gut getan. Nach vier Wochen verließ ich die Klinik erscheinungsfrei. Anschließend erlebte ich tatsächlich den ersehnten Sommer ohne Einschränkungen. Ein halbes Jahr waren keine Hautstellen am Körper zu sehen, außer auf der Kopfhaut. Dahin war die Psoriasis schon nach zwei Monaten wieder zurückgekehrt. Aber ich hatte in Bad Salzschlirf ein Kopfbalsam kennengelernt, das ich seitdem jede Woche einmal verwende. Damit halte ich die Probleme klein. Wenn es doch mal schlimmer wird, verwende ich Ausnahmsweise auch mal das flüssige Kortison. Kurz nach meinem Klinikaufenthalt erhielt ich per Zufall während eines Ausflugs den Tipp, mal eine Creme auszuprobieren, deren Inhaltsstoffe aus der traditionellen indischen Medizin, dem Ayurveda, stammen. Und das ist wirklich toll: Sie hilft bei mir sehr, sehr gut. Wenn ich sie drei bis vier Tage hintereinander auftrage, dann sind die Plaques weg.

Ein weiterer Tipp, den ich ebenfalls ausprobiert habe, ist ein Psoriasis-Tee. Er wurde von der österreichischen Kräuterheilkundlerin Maria Treben entwickelt und besteht aus zehn Kräutern, die in einem bestimmten Verhältnis zusammengemischt sind. Da ist zum Beispiel Eichenrinde drin, Ringelblume, Ehrenpreis und Schöllkraut. Bei uns in der Nähe gibt es eine Apotheke mit einem großen Kräutergarten. Dort lasse ich mir den Tee frisch zusammenstellen und trinke ihn jeden Tag. Und weiterhin creme ich mich jeden Tag nach dem Duschen ein. In Bad Salzschlirf lernte ich eine Körperlotion mit Urea kennen. Das ist eine preiswerte Alternative zur Lotion mit Meersalz. Das ist jetzt mein Weg mit der Psoriasis.

Kortison nehme ich immer noch als letztes Mittel der Wahl. Aber ich benötige lange nicht mehr so viel, seit ich die ayurvedische Creme verwende und den Psoriasis-Tee trinke. Wenn man eine Psoriasis hat,
die nur mittelschwer ist, so dass sie mit Cremes behandelt wird, dann ist es gut, Alternativen zu haben. Zu viel Kortison kann die Haut dünn machen. Und es kann auch den Effekt geben, dass die Haut sich an den
Wirkstoff gewöhnt und er dann nicht mehr wirkt. Das ist bei mir nicht der Fall. So komme ich hoffentlich noch recht lange über die Runden.

Interview entnommen aus PSO Magazin 2-2021