PD Dr. Athanasios Tsianakas

Dermatologie, Venerologie und Allergologie aus Bad Bentheim

Interview mit PD Dr. Athanasios Tsianakas, entnommen aus PSO Magazin 1/2026

„Ich werde nicht müde, den Stellenwert der Reha zu betonen.“

Dem DPB steht ein Wissenschaftlicher Beirat zur Seite, dem 24 Mitglieder aus den Bereichen Dermatologie, Rheumatologie und Psychologie angehören. Mit ihrer fachlichen Kompetenz unterstützen sie die Arbeit des Deutschen Psoriasis Bundes e. V. (DPB). Neu berufen wurde PD Dr. Athanasios Tsianakas. Er ist Chefarzt des Fachbereichs Dermatologie an der Fachklinik Bad Bentheim. Hier wird der engagierte Dermatologe in einem Interview vorgestellt.

PSO Magazin: Viele Mitglieder im Deutschen Psoriasis Bund kennen Sie schon länger als Referent bei unseren Veranstaltungen oder Online-Vorträgen. Wann wurde Ihr Interesse ausgerechnet für die Psoriasis geweckt?

Dr. Tsianakas: Ich habe mein Medizinstudium am Universitätskrankenhaus in Hamburg-Eppendorf (UKE) absolviert. Da hatte mich das Thema Immunologie schon früh interessiert. Deshalb habe ich eine Doktorarbeit in dem Bereich geschrieben. Das war allerding noch zu einem Thema aus der Hautkrebs-Forschung. Meine Facharzt-Ausbildung zum Dermatologen und Allergologen habe ich dann am Universitätsklinikum Münster beendet. Anschließend habe ich dort dann schnell die Leitung des Studienzentrums übernommen und die Psoriasis-Sprechstunde mitbetreut. So bin ich in die Psoriasis-Szene hineingewachsen.

PSO Magazin: Was ist ein Studienzentrum?

Dr. Tsianakas: Dort werden klinische Studien durchgeführt, um neue Medikamente, Therapien oder Diagnoseverfahren zu prüfen. Dafür werden Patienten in Studien eingeschlossen und engmaschig begleitet. Bei dieser Arbeit habe ich von Anfang an die Entwicklung der neuen und sehr potenten Therapiemöglichkeiten mitbegleitet. Die Qualität der Therapie der Psoriasis ist in den letzten zehn Jahren dadurch auf ein anderes Niveau angehoben worden.

PSO Magazin: Ihr nächster beruflicher Schritt war dann 2017 der Wechsel nach Bad Bentheim als Chefarzt der Dermatologie in der dortigen Fachklinik.

Dr. Tsianakas: Das war ein großer Schritt. Die Möglichkeiten hier sind riesig. Wir haben einen Reha-Bereich, eine Akutklinik, eine Ambulanz und können fachübergreifend mit der Rheumatologie, Kardiologie und Orthopädie zusammenarbeiten. Das ist eine Luxussituation. Wir betreiben auch hier klinische Studien und können alle Facetten der Psoriasis-Therapie anbieten. Wir betreuen darüber hinaus Doktorarbeiten. Da arbeiten wir eng mit der Uniklinik Münster zusammen. Wir versuchen, die Evidenz zu liefern, die vielfach im Bereich Rehabilitation noch fehlt.

PSO Magazin: Sie meinen, dass es zu wenig wissenschaftliche Studien darüber gibt, ob und wie die Reha-Behandlung wirkt?

Dr. Tsianakas: Genau. Wir verfolgen in der Rehabilitation einen ganzheitlichen Ansatz. Selbstverständlich erhalten die Patienten eine intensive Befund-angepasste Therapie der Psoriasis. Diese umfasst eine Salbentherapie, daneben aber auch eine Bade-Lichttherapie. Zusätzlich werden innerliche Therapien mit Tabletten oder Spritzen fortgeführt beziehungsweise – wenn nötig – auch neu eingeleitet. Aber neben dem rein medizinischen Ansatz erhalten die Patienten auch zahlreiche weitere Therapieansätze mit Elementen aus Bewegung, Entspannung, Ernährung, psychologischer Betreuung und Beratung zur Erkrankung, aber auch beruflichen und sozialen Problemen. Wir sehen die Menschen als Ganzes und wollen sie wieder auf die Spur bringen und nicht nur auf die Erkrankung reduzieren.

PSO Magazin: Es gibt Dermatologinnen und Dermatologen, die sagen, dass es heute keine Reha für die Psoriasis mehr braucht. Die Medikamente sind heute so gut, so dass
die Hauterscheinungen komplett oder zumindest fast komplett in den Griff zu bekommen sind.

Dr. Tsianakas: Deshalb sind wissenschaftliche Studien in diesem Bereich so wichtig. Denn so einfach ist es nicht. Wir möchten erreichen, dass die Menschen ihre Erkrankung ganzheitlich managen lernen. Die Begleiterkrankungen der Psoriasis – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Diabetes mellitus oder psychische Belastungen –bleiben meist, auch mit einer guten Psoriasis-Therapie. Bei uns müssen beispielsweise vier von fünf Personen auch psychologisch betreut werden. Es gibt zahlreiche Übergewichtige, für die wir spezielle Adipositas-Programme bereithalten. Wir sehen zunehmend auch Patienten unter Therapie mit Biologika in der Reha, die davon stark profitieren, gerade im Hinblick auf Lebensführung, psychische Belastung und das Management der Begleiterkrankungen.

PSO Magazin: Wie kann das sein, dass es Ärztinnen und Ärzte gibt, die den Wert der Reha nicht erkennen?

Dr. Tsianakas: Ich kann das den Kollegen nicht vorwerfen. Ein klassischer Hautarzt lernt in seiner Facharztausbildung nichts über die Reha. Deshalb werde ich nicht müde, den Stellenwert der Reha zu betonen. Viele Fachkollegen wissen nur wenig über die Inhalte und Chancen einer Reha für ihre Patienten. Und hier versuche ich durch Aufklärung, das Wissen um die Reha zu verbreiten, um mehr Patienten die Chance zu geben, davon zu profitieren.

PSO Magazin: Wie steht es eigentlich um die Nachhaltigkeit einer Reha? Wieviel bleibt von den guten Vorsätzen etwa zu gesunder Ernährung oder mehr Bewegung, wenn die Patientinnen und Patienten nach drei oder vier Wochen wieder nach Hause kommen?

Dr. Tsianakas: Wir haben Studien gemacht, die zeigen, dass die Effekte auf jeden Fall noch sechs Monate nach der Entlassung anhalten. Hilfreich sind hier die Reha-Nachsorgeprogramme. Sie sollen dafür sorgen, den erreichten Erfolg der medizinischen Reha langfristig aufrechtzuerhalten. Es gibt da beispielsweise die Intensivierte Rehabilitationsnachsorge (IRENA). Sie umfasst Leistungen aus den Bereichen Training, Schulung und Beratung, die wohnortnah durchgeführt werden. Auch die Trainingstherapeutische Rehabilitationsnachsorge (T-RENA) ist hilfreich. Damit können Sportprogramme kostenfrei weiterbetrieben werden. Diese Angebote müssen wir noch bekannter machen.

PSO Magazin: Die Begeisterung für Ihre Mission ist Ihnen anzumerken. Sie sind auch immer wieder gern bereit, Vorträge für Patientinnen und Patienten beim Deutschen Psoriasis Bund zu halten. Jetzt engagieren Sie sich zusätzlich noch im Wissenschaftlichen Beirat des DPB. Sie sind ebenfalls Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Rehabilitation in der Dermatologie“ (AReD) innerhalb der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Dr. Tsianakas: Dort versuchen wir gerade, Wege zu finden, wie das komplizierte Antragswesen für eine Reha vereinfacht werden kann. Das hilft, unsere Derma-Kollegen zu entlasten.

PSO Magazin: Und das wiederum hilft den Patientinnen und Patienten. Herzlichen Dank für das Gespräch.

Dr. Tsianakas: Sehr gerne.