Prof. Dr. Dr. Philipp Sewerin
Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie
Interview mit Prof. Dr. Dr. Philipp Sewerin, entnommen aus PSO Magazin 6/2025
"Wir verfolgen viele Spuren."
Dem DPB steht ein Wissenschaftlicher Beirat zur Seite, dem 25 Mitglieder aus den Bereichen Dermatologie, Rheumatologie und Psychologie angehören. Mit ihrer fachlichen Kompetenz unterstützen sie die Arbeit des Deutschen Psoriasis Bundes e.V. (DPB). Neu berufen wurde Prof. Dr. Dr. Philipp Sewerin. Er ist Oberarzt im Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne. Hier wird der engagierte Rheumatologe in einem Interview vorgestellt.
PSO Magazin: Sie sind vor Kurzem von der Ruhr-Universität Bochum zum Professor ernannt worden. Dabei wurde Ihr besonderes Engagement in Forschung und Lehre gewürdigt. Sie sind international bekannt für Ihre zwei wissenschaftlichen Schwerpunkte: innovative Bildgebung und Psoriasis-Arthritis. Wie sind Sie gerade auf die Psoriasis-Arthritis gekommen?
Prof. Sewerin: Wie bei den meisten Menschen hängt vieles im Leben von vielen Zufällen ab. Das war auch bei mir so. PSO Magazin: Wie war Ihr Weg bis ins Rheumazentrum Ruhrgebiet?
Prof. Sewerin: Ich habe an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Medizin studiert und mich schon früh für Bildgebung interessiert. Nach meinem Studium bin ich dann zunächst in Düsseldorf geblieben und habe zu bildgebenden Verfahren geforscht.
PSO Magazin: Sie waren doch auch eine Zeitlang im Ausland.
Prof. Sewerin: Ich bin von Düsseldorf zunächst in die USA gegangen – erst in den Osten nach Harvard, dann in den Westen nach St. Diego. Anschließend ging es wieder nach Europa – zuerst nach Glasgow in Schottland und dann zurück an die Universität nach Düsseldorf. Dort habe ich mich habilitiert.
PSO Magazin: Bei der Habilitation wird geprüft, ob eine Wissenschaftlerin/ein Wissenschaftler ihr/sein Fach in voller Breite in Forschung und Lehre vertreten kann.
Prof. Sewerin: Richtig. Während dieser Zeit am Universitätsklinikum in Düsseldorf hatten die Dermatologen Prof. Dr. Dr. Bernhard Homey und PD Dr. Stephan Meller gerade damit begonnen, eine Schwerpunkteinheit für Psoriasis aufzubauen. So kamen auch immer mehr Patientinnen und Patienten mit Psoriasis-Arthritis in die Sprechstunde. Und da kam ich als Rheumatologe ins Spiel. Ich war in der Psoriasis-Sprechstunde für die Psoriasis-Arthritis zuständig. Prof. Homey, Dr. Meller und ich haben mit sehr viel Leidenschaft diese Schwerpunkt-Einheit geleitet. Wir haben sehr viele Patientinnen und Patienten mit Psoriasis-Arthritis gesehen. Daraus ist ein Forschungs-Schwerpunkt entstanden: Früherkennung von Psoriasis-Arthritis.
PSO Magazin: Da haben Sie dann Ihre zwei Schwerpunkte verbinden können: Bildgebende Verfahren und Psoriasis-Arthritis.
Prof. Sewerin: Genau. Wir haben uns MRT-Protokolle angesehen. Aber auch mit Ultraschall geforscht. Wir haben auch einen Rheuma-Truck durch das Rhein-Ruhr-Gebiet
geschickt, um die Möglichkeit einer frühen Diagnose entzündlich-rheumatischer Erkrankungen zu schaffen.
PSO Magazin: Warum ist es so wichtig, die Psoriasis-Arthritis möglichst frühzeitig zu diagnostizieren?
Prof. Sewerin: Wir verstehen immer besser, dass eine frühe Therapie von großer Bedeutung ist. Natürlich zum einen, um die Erkrankung und die damit verbundenen Symptome schnell zu reduzieren, zum anderen aber auch, weil wir verstehen, dass die Erkrankung langfristig am besten gestoppt werden kann. Das liegt unter anderem auch daran, dass sie sich immunologisch entwickelt und diese Prozesse dann immer schwerer zu durchbrechen sind.
PSO Magazin: 2022 sind Sie dann nach Herne an das Rheumazentrum Ruhrgebiet gewechselt.
Prof. Sewerin: Ja. Das ist die größte deutsche Rheumaspezialklinik. Sie ist wissenschaftlich und organisatorisch eng mit dem Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum verbunden. Dort ist Prof. Dr. Dr. Xenofon Baraliakos der ärztliche Direktor. Er ist ein international anerkannter Fachmann für das Rheuma der Wirbelsäule – also etwa Morbus Bechterew und axiale Spondyloarthritis. Mein Schwerpunkt ist ja die Psoriasis-Arthritis, bei der viele Gelenke an unterschiedlichsten Stellen des Körpers beteiligt sein können. Wir ergänzen uns sehr gut – fachlich wie menschlich.
PSO Magazin: Und sie forschen immer noch zur Früherkennung der Psoriasis-Arthritis?
Prof. Sewerin: Ja, und hier natürlich besonders wieder zum Einsatz von bildgebenden Verfahren. Aber wir haben hier auch viele schöne andere Verknüpfungen. Beispielsweise haben wir hier viele tolle andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und wir arbeiten mit zahlreichen anderen Fachbereichen zusammen. Wir haben hier einige EU-Projekte laufen, die sich mit Bildgebung und der Verlinkung mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen.
PSO Magazin: Bildgebung in der Diagnose der Psoriasis-Arthritis wird in der Praxis heute immer noch ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Von vielen Betroffenen, die bei uns anrufen, hören wir, dass bei ihnen ein Röntgenbild keine Ergebnisse erzielt hätte, dass sie aber trotzdem unter Schmerzen in den Gelenken litten.
Prof. Sewerin: Heute ist der Ultraschall die rechte Hand des Rheumatologen. Bei großen Gelenken und deren Sehnenansätzen, die ja häufig bei der Psoriasis-Arthritis betroffen sind, setzt man meistens auf Ultraschall. Für das Achsenskelett ist das MRT Standard. Im Röntgenbild erkennt man erst Veränderungen, wenn schon Schäden am Knochen vorhanden sind. Das ist viel zu spät.
PSO Magazin: Aber diese aufwändigen bildgebenden Verfahren werden in einem frühen Stadium bei Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Psoriasis-Arthritis meist nicht
angewandt.
Prof. Sewerin: Die Einführung von neuen medizinischen Entwicklungen ist das Schwierigste in der Medizin. Das dauert immer mindestens zehn Jahre. Aber das wird kommen. Beispielsweise in der Onkologie – der Krebsheilkunde – sind sich alle einig, dass aufwändige Untersuchungen für die genaue Analyse eines Tumors gemacht werden müssen. Denn danach richtet sich die anschließende Therapie. Da müssen wir in der Rheumatologie erst noch hinkommen. Wir untersuchen ja gerade: Was braucht man zur frühen
Diagnose der Psoriasis-Arthritis? Vielleicht benötigt ja gar nicht jede und jeder eine Bildgebung. Vielleicht kann man über eine Biopsie der Haut eines Psoriasis-Plaques weiterkommen, indem man dort das Antikörper-Profil analysiert. Wir verfolgen viele Spuren.
PSO Magazin: Vielen Dank für das Gespräch und bitte halten Sie uns auf dem Laufenden.
Prof. Sewerin: Das mache ich gern.
